Konzept, Arbeitsweise und Technik
Photographie als handwerkliche Präzision
Die Photographie von Matthias Nürnberger ist das Ergebnis einer tiefen gestalterischen Konzentration und kompromissloser handwerklicher Exaktheit. Nach einer intensiven Phase der Experimentalphotographie vollzog er um das Jahr 1990 einen bewussten Wandel hin zur realistischen Photographie. Stand damals die klassische analoge Großbildkamera im Zentrum seines Schaffens, so hat sich seine Arbeitsweise im Laufe der Jahre konsequent weiterentwickelt.
Die Evolution der Farbe und Technik
Heute hat sich Matthias Nürnberger seit langer Zeit der Farbphotographie verschrieben. Farbe ist für ihn kein schmückendes Beiwerk, sondern ein essenzielles Gestaltungselement, das die Atmosphäre, das Licht und die Seele eines Ortes transportiert. Geblieben ist dabei sein unbedingter Anspruch an die technische Perfektion:
Digitale Großformat-Systeme: Um diesem Anspruch gerecht zu werden, arbeitet Nürnberger mit hochpräzisen, großformatigen digitalen Kamerasystemen. Diese Technologie erlaubt eine kompromisslose Detailtiefe und extreme Schärfe – "Ein Schritt näher an der Wirklichkeit. ." (Nürnberger)
Farbtiefe und feinste Farbverläufe: Der Einsatz dieser High-End-Systeme garantiert eine außergewöhnliche Farbtiefe. Selbst die subtilsten Farbverläufe und zartesten Nuancen des Lichts werden exakt so festgehalten, wie sie in der Realität existieren.
Handgemachte Giclée-Drucke: Der Qualitätsanspruch endet nicht beim Druck auf
Jeder Abzug ist ein handgemachtes Unikat, gefertigt im edlen Giclée-Druckverfahren auf ausgewählten Fine-Art-Baumwoll-Papieren. Nur so lässt sich die immense Farbdynamik und Detailtreue der digitalen Großbildkamera perfekt in ein haptisches Kunstwerk übersetzen.
Die Arbeitsweise: Geduld, Stativ und das perfekte Licht
Hinter der Kamera ist Nürnbergers Prozess von einer tiefen Entschleunigung geprägt. Das Fotografieren mit großformatigen Systemen schließt schnelle Schnappschüsse per se aus. Seine Arbeitsweise basiert auf dem bewussten Erleben des Raums und absoluter Präzision vor Ort:
Konsequente Arbeit mit dem Stativ: Um die maximale Schärfe und Detailtreue der großformatigen Sensoren voll auszuschöpfen, arbeitet Nürnberger fast ausnahmslos mit dem Stativ. Es zwingt zur Entschleunigung, zur millimetergenauen Ausrichtung und zur absoluten Kontrolle über die Bildkomposition.
Das Warten auf die sanfte Lichtstimmung: Nürnberger sucht nicht das spektakuläre, harte Sonnenlicht. Seine Bilder entstehen meist im weichen, diffusen Licht des Herbstes oder des Frühlings. Er wartet geduldig auf den Moment, in dem ein bedeckter, milchig-weißer Himmel die Szenerie einhüllt. Dieses schattenfreie Licht schmeichelt den Formen, lässt Farben in ihrer reinsten Form wirken und bringt feinste Texturen ohne harte Kontraste zur Geltung.
Der rote Faden: Minimalismus und Vergänglichkeit
Trotz der technologischen Evolution bleibt die philosophische Essenz seiner Arbeit unverändert. Als roter Faden zieht sich eine minimalistische Darstellung durch Nürnbergers gesamte Bildsprache.
Dieser Minimalismus beginnt bereits im Moment der Aufnahme und spiegelt sich in einer bewussten Reduktion der Ausrüstung wider: Nürnberger ist stets mit nur einem einzigen Objektiv unterwegs, dessen Brennweite ungefähr der Normalbrennweite des Aufnahmeformats entspricht. Durch den bewussten Verzicht auf Weitwinkel- oder Teleobjektive vermeidet er jede künstliche Kompression oder unnatürliche Ausweitung des Bildraums. Der Blick durch die Kamera bleibt so unverfälscht und kommt der menschlichen Betrachtungsweise so nah wie nur möglich.
Durch diese Konzentration auf das Wesentliche befreit er seine Motive von visuellem Lärm und lenkt den Fokus auf die pure Struktur. In seinen architektonischen und landschaftlichen Zyklen schwingt dabei stets das Thema der Vergänglichkeit mit. Ob in den historischen Kulissen von Venedig, Paris und Rom oder in seinen Landschaftsstudien: Seine Bilder dokumentieren das Vergehen der Zeit und die stille Melancholie des Moments.